Kopfbild Mühlheimer Schleuse 1
07.10.2019 erstellt von: Thomas Gelling


Radreise durch Schottland und Irland

Radreise durch Schottland und Irland – Foto 1: Eisenbahnbrücke über den Firth of Forth

„Linksverkehr“ – Schon Wochen vor der Tour im Sommer 2019 waberte das Wort stellvertretend für größtmögliche Schwierigkeiten durch meinen Kopf. Kaum ein Gedanke an schwere Anstiege, Regen und Wind. Werde ich meine Gewohnheiten überwinden und tatsächlich links fahren können?
Nun, da Sie als geneigter Leser diesen Bericht vor sich haben, habe ich es geschafft. Und ich füge hinzu, dass das so schwer nicht ist. Es ergibt sich einfach, links zu fahren. Also keine Scheu vor den beiden Inseln, der Linksverkehr ist kein Problem. Außerdem sind mir in Schottland und Irland die entspanntesten Autofahrer Europas begegnet. Nie gab es Gemaule, keine dummen Handzeichen, keine brüllenden Motoren, wenn das radfahrende Hindernis am Straßenrand endlich überholt werden kann. Glauben Sie mir, ich war in so manchem Stau – und zwar als erster – und trotzdem begegnete mir nicht ein Autofahrer ungeduldig oder aggressiv.
Wer allerdings ein ausgebautes Radwegenetz wie in Deutschland erwartet, sollte für eine Tour über die beiden Inseln – sagen wir – noch 10 Jahre warten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen fährt man auf Straßen. In Großbritannien gibt es das National Cycle Network (NCN), das eine Reihe von Radrouten ausgeschildert hat. Über die Wegführungen des NCN habe ich oft fürchterlich geschimpft und rate Ihnen, die blauen Wegweiser einfach zu ignorieren.


Anreise

Die Anreise nach Schottland ist etwas umständlich. Ich nahm eine Fähre von Amsterdam nach Newcastle, die morgens ihr Ziel erreichte. So ging es frisch ausgeruht auf die erste Tour nach Norden, und kurz nach dem Start des zweiten Tages war Schottland erreicht. Ein kleiner Tipp: Auch wenn man auf beiden Inseln kaum Bargeld benötigt, weil auch kleinste Beträge per Kreditkarte bezahlt werden können, sollte man sich an einem schottischen Geldautomaten Bargeld holen. Die Währung ist zwar die gleiche wie in Großbritannien insgesamt. Die Schotten drucken aber eigene Banknoten. Nehmen Sie mal eine und versuchen, in Südengland damit zu bezahlen! Sie werden verblüfft sein, was passiert!

Schottland

Wer meint, dass in Schottland nur die Highlands ein Erlebnis sind, der erwartet zu wenig. Die Stadt Edinburgh habe ich südlich passiert und das Zentrum gemieden. Nach einer rumpelnden, stark befahrenen Stadteinfahrt verläuft die Ausfahrt auf einem Bahnradweg und geht recht flott. Die Brücke über den Firth of Forth (Fjord des Flusses Forth) gibt den Blick auf die beeindruckende Eisenbahnbrücke frei, die ca. 500 m östlich der beiden Straßenbrücken den Firth of Forth überspannt. Fahren Sie nach Queensferry auf der anderen Seite des River Forth, um die Brücke aus der Nähe zu sehen.

Foto 1: Eisenbahnbrücke über den Firth of Forth
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Am dritten Tag fuhr ich über den Cairnwell-Pass, der es immerhin auf 670 hm bringt. Damit stellte er den höchsten Punkt der gesamten Tour dar, aber bei weitem nicht den steilsten Anstieg.

Foto 2: Auffahrt zum Cairnwell-Pass
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Es ging hinüber bis zur Stadt Inverness zunächst nach Westen. Nach einer Übernachtung starten die schon lang erwarteten Hochland-Touren.
Schottland ist kein meteorologischer Streichelzoo – klar. Man passiert immerhin den 57. Breitengrad. Hinzu kamen mehrere, zwar nicht allzu steile, aber lange Anstiege, Gegenwind, Regen – Schottland eben. Das Klischee, dass es mal regnet und nach einer halben Stunde wieder die Sonne scheint, stimmt so nicht. Wenn es regnet, dann regnet es meistens den ganzen Tag. Die Temperaturen lagen Mitte Juli um +12°C. Auch am Sonnenauf- und -untergang zeigt sich der Norden. Im Vergleich zu Mitteleuropa hat man etwa zwei Stunden mehr Tageslicht.
Aber genug der Beschwerde! Eine Tour durch die Highlands ist unvergesslich. Sie reisen ganz allein durch eine kaum besiedelte Landschaft und werden von Wiesen, Flüssen und vielen kleinen Seen (Lochs) begleitet. Es geht auf und ab, Sie müssen mit Wind und Regen rechnen. Dafür ist die Orientierung nicht sehr schwer, folgen Sie einfach der Straße. Hin und wieder kommt ein Gehöft, jedoch größere Ortschaften gibt es erst wieder an der Westküste. Wenn Sie meiner Tour folgen sollten, finden Sie bei km 100 ein ganz einsam gelegenes Hotel. Es heißt „The Altnacealgach Motel“ und ich erkläre es hiermit zu einem Geheimtipp. Die erste Highland-Tour endete in Ullapool nach gut 11 Stunden, davon knapp 9 Stunden reine Fahrzeit.

Foto 3: Highlands-Tour (1)
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Foto 4: Highlands-Tour (2)
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Foto 5: Highlands-Tour (3)
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Am nächsten Morgen ging es zurück. Die südlich der Hintour verlaufende Landstraße A835 vermittelt noch einmal ein Highland-Gefühl. Sie ist aber stärker befahren als die A837 auf der Hintour. Tagesziel war das Städtchen Drumnadrochit beim Loch Ness. Am Nordufer von Loch Ness ging am nächsten Tag etwa 25 km entlang, eine sehr schöne Tour bei bestem Wetter. Städte wie Fort Augustus und Fort William lagen auf dem Weg, und sogar ein charmanter Radweg ab Fort Augustus führte zwischen einem Kanal und dem River Oich entlang nach Südwesten. Und nein, ich habe Nessie weder gesehen noch gehört. Vielleicht war sie zum Shoppen?☺☺

Foto 6: Loch Ness
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Foto 7: In Fort Augustus
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Der ursprüngliche Plan war, mit einer Fähre von Cairnryan nach Irland zu fahren. Eher zufällig fand ich eine Fähre, die von Campbeltown nach Ballycastle (Nordirland) fuhr. Es gab nichts zu überlegen – der Plan wurde geändert, denn Campbeltown liegt am Südzipfel der Halbinsel Kintyre.
Kintyre – das sagt Ihnen nichts? Denken Sie mal an Paul McCartney’s „Mull of Kintyre“! Klingelt noch immer nichts? Dann gehen Sie mal auf diesen Link: https://www.youtube.com/watch?v=K5626WzsfMw

Um nach Campbeltown zu kommen, müssen Sie aber richtig arbeiten. Die Nebenstraße B842 entlang der Ostküste der Kintyre-Halbinsel sieht auf der Karte ganz harmlos aus, entpuppt sich aber als die schwerste Etappe der gesamten Tour. Ständiges, schweres Auf und Ab, ruppiger Gegenwind und Regen über ganze 60 Kilometer – Spaß ist anders. Doch wie jede Tour bringt man auch diese zu Ende.

Foto 8: Nebenstraße nach Campbeltown
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Das war es dann auch schon mit Schottland: Gut 1.200 km in 11 Etappen.

Foto 8a: Schottland-Skizze
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Am nächsten Morgen ging es früh aus dem Bett, bewaffnet mit einem Lunchpaket des Hotels.

Foto 9: Fähre nach Ballycastle
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Bildergalerie

Radreise durch Schottland und Irland – Foto 2: Auffahrt zum Cairnwell-PassRadreise durch Schottland und Irland – Foto 3: Highlands-Tour (1)Radreise durch Schottland und Irland – Foto 4: Highlands-Tour (2)Radreise durch Schottland und Irland – Foto 5: Highlands-Tour (3)Radreise durch Schottland und Irland – Foto 6: Loch Ness
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Irland


Nach einer zweistündigen Überfahrt mit der Personenfähre kommt man in Ballycastle (Nordirland) an. In diese Gegend bin ich mit ein wenig Nervosität gefahren. Durch den Brexit und die damit verbundenen Unsicherheiten kam es schon wieder zu kleineren Problemen, die zwar bei weitem nicht die Ausmaße früherer Zeiten erreichten, aber man muss ja nicht zwischen die Fronten geraten. Die Sorge war jedoch unberechtigt.
Die erste Übernachtung habe ich bewusst in Irland (also nicht mehr in Nordirland), nämlich in Greencastle vorgesehen. Man mag ja über die EU unterschiedlicher Meinung sein, aber völlige Reisefreiheit und der Euro als Gemeinschaftswährung erleichtern das Leben auf einer Radreise spürbar. Hinzu kommt, dass das Preisniveau in Irland deutlich niedriger ist als in Großbritannien.

Foto 9a: Irland-Runde
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Sehr schöne Etappen wechseln sich ab mit eher ereignislosen Touren. Obwohl ich insgesamt sechs Wochen unterwegs war, habe ich doch vieles auslassen müssen. Ich wäre gerne weiter nach Norden ins schottische Hochland gefahren, wie auch in den Norden von Irland. Beides steht aber noch für spätere Touren auf meinem Wunschzettel.

Die zweite Tour auf der irischen Insel führte mitten durch Derry, einem der Brennpunkte des früheren irischen Bürgerkriegs. Man spürt davon heute nichts und ich hoffe sehr, dass es auch nach dem Brexit so bleibt. Entlang des River Foyle, der sogar einen Radweg hat, ging es mit einer kleinen Abkürzung zum River Finn, der mich nach Westen geleitete. In Fintown gibt es eine Schmalspurbahn, die ich mir – als Lokomotivführer beruflich vorbelastet – ansehen wollte. Geschlossen werden sollte die Besichtigung an diesem Tag um 17 Uhr, so war es dem Internet zu entnehmen. Vor Ort war ich 16:15 Uhr, um ein Schild zur Kenntnis zu nehmen, dass auf die Schließung schon um 16 Uhr hinwies – Schade!
Das Ziel der heutigen Tour war das hübsche Städtchen Glenties, ein Bed & Breakfest, ein Pub schräg über die Straße mit Live-Musik. Nach einem sehr guten Essen und einem Glas Rotwein die Tour noch einmal gedanklich abfahren, das Tourentagebuch schreiben, Fotos sortieren und natürlich – lachen Sie nicht – Fotos als Status bei WhatsApp einstellen sowie die nächsten Tag planen.

Am nächsten Tag gab es die Tour mit den meisten Höhenmetern. Drei Routen zum Ziel standen zur Auswahl, die „volle Packung“ und zwei Ausweichrouten. Zunächst aber ging es über den Glengesh-Pass. Nicht allzu hoch, aber die Passrampe, die man schon 5 km vorher sehen kann, fordert ihren Respekt, dann wieder hinunter und entscheiden, ob es geradeaus weiter geht oder die Tour über zwei weitere Pässe nach Glencolumbkille geführt wird. Raten Sie mal, was meine Entscheidung war? Genau: Die zwei weiteren Pässe, und glauben Sie mir, das lohnt sich. Der Ort ist wirklich sehenswert. Hier finden Sie eine ursprünglich belassene Siedlung, die man am besten schiebend erkundet.

Foto 10: Glengesh-Pass
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Bei dieser Gelegenheit ein Wort zu den eigentlichen „Herren“ Irlands, den Schafen. Irische Schafe betrachten das Land als ihr Eigentum und zu ihrem Land zählen sie auch Straßen. So ist es auf den Nebenstraßen absolut üblich, dass Schafe die Straße für sich vereinnahmen und sich in kühner Ignoranz der irischen Straßenverkehrsordnung stets Vorfahrt erzwingen und dabei den übrigen Verkehr keines Blickes würdigen. Teils bildeten sich Autoschlangen nahe an einem Stau, weil das Gras auf der anderen Straßenseite wohl irgendwie leckerer aussieht und Schaf für Schaf die Seite wechselt oder gleich ganz auf der Straße ruhigen Schrittes entlang läuft. Zumindest legen sie sich nicht für ein Nickerchen auf die Straße. Stellen Sie einmal sich das Theater deutscher Autofahrer vor, wenn sie wegen Schafen zwei Minuten warten müssten! Nicht so in Irland. Alles bleibt ruhig, niemand hupt und alle ergaben sich lächelnd in ihr Schicksal.
Die Schafe sind bunt gekennzeichnet: grün, rot, orange, gelb. Ich denke, dass daran abzulesen ist, wem das betreffende Wolltier gehört. Das sieht ganz putzig aus und hat noch einen wichtigen Nebeneffekt. Man sieht sie nämlich besser, das ist wichtig. Fährt man per Rad langsam bergauf, sind die Schafe kein Problem. Bei schneller Fahrt bergab kann die Kollision mit einem Schaf aber üble Folgen für Mensch und Tier haben. Ich jedenfalls bin nur langsam und sehr konzentriert auf die Straßenränder schauend bergab gefahren. Weder ich noch ein Schaf nahmen Schaden.

Foto 11: Schafe
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Es ging dann weiter in Richtung Süden. Eine weitere wichtige Station war der lauschige Ort Cong. Westlich davon liegt der Connemara-Nationalpark und den sollten Sie nicht verpassen. Neben grandiosen Landschaften können und sollten Sie Kylemore Abbey besuchen. Auch das Städtchen Galway mit seiner Cathedral und seinen tausend keinen Geschäften ist Ihre Aufmerksamkeit ganz sicher wert.
Hier zeigt sich aber ein „Problem“: Nordwestlich des Connemara-Nationalparks liegt der Ballycroy-Nationalpark, der ganz sicher nicht minder sehenswert und beeindruckend ist. Aber trotz sechs Wochen Reisezeit war es unmöglich, alles zu sehen und zu erleben.

Foto 12: Kylemore Abbey
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Foto 13: Im Connemara-Nationalpark (1)
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Foto 14: Im Connemara-Nationalpark (2)
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Der weitere Weg nach Süden leidet etwas an Ereignislosigkeit. Sehenswert auf dem Weg sind die Cliffs of Moher. Per Rad kommt man gut zurecht, sieht man von einer langen und recht eintönigen Anfahrt ab. Fahren Sie per Auto dorthin, sind sie mit 9,– Euro p.P. Eintritt dabei.

Foto 15: Cliffs of Moher
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Aber dann wird es wieder spannend, denn auf keinen Fall sollten Sie die Dingle-Halbinsel auslassen. Im Südwesten gelegen können Sie eine weitere typische Stadt, Dingle, besuchen und sich dort ruhig zwei bis drei Tage Zeit nehmen, um die Halbinsel westlich zu umrunden. Dazu gleich mehr, denn Sie müssen ja erstmal dahin kommen.
Hinter der Stadt Tralee drehen Sie nach Westen und folgen zunächst dem nördlichen Küstenstreifen, 37 km weiter lauert der Connor-Pass. Er ist mit 408 m nicht allzu hoch und trotzdem der zweithöchste Pass Irlands. Der Anstieg ist nicht sehr steil, aber ein Erlebnis! Etwa einen Kilometer vor der Passhöhe wird die Straße einspurig und abenteuerlich geführt. Deshalb dürfen weder LKWs noch größere Wohnmobile über den Connor-Pass fahren.

Foto 16: Weg zum Connor-Pass (1)
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Foto 17: Weg zum Connor-Pass (2)
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Ich hatte etwas Pech: Oben angekommen kam mir ein so heftiger Wind entgegen, dass sicheres Radfahren völlig unmöglich war. Auf dem Oberrohr sitzend ging es meist nur etwas schneller als im Schritttempo bergab. Bei jedem Auto wurde angehalten, denn der Wind schob mich mal auf die linke, mal auf die rechte Straßenseite. Dadurch konnten mich die Kälte und der Regen komplett auskühlen. Schon nach Minuten schwand jedes Gefühl in Händen und Füßen. So wurde nicht die Fahrt bergauf zum Problem, sondern die Abfahrt und zwar zu einem richtigen. Zum Glück war das Quartier vorgebucht, das Rad schnell geparkt und die Dusche heiß. Trotzdem habe ich mir geschworen, dass ich so etwas nie wieder machen werde – wahrscheinlich jedenfalls…

In den Pubs des kleinen Städtchens Dingle fühlt man sich schnell wohl, wie überall in Irland. Das Essen ist sehr gut, ebenfalls wie immer in Irland.

Der Ausflug am Folgetag führte die Küste, genauer gesagt die Steilküste entlang. Es geht zwar stets bergauf und bergab. Aber es gibt wirklich viel zu sehen, wie z. B. das historische Stonehouse, das ein Café beherbergt. Oder Beehive Hut, eine ehemalige militärische Einrichtung. Ionad Cuairteoirí Aireagail Gallarus aus dem 8. oder 9. Jahrhundert sollten Sie ebenfalls besuchen. Alle drei Gebäude sind aus Naturstein gebaut und zwar – soweit ich es verstanden habe – ohne Bindemittel.
Auch die Steilküste selbst hält immer wieder faszinierende Ausblicke bereit. Kurzum, die Tour lohnt sich wirklich. Lassen Sie sich das nicht entgehen!

Foto 18: Stonehouse
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Foto 19: Ionad Cuairteoirí Aireagail Gallarus
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Foto 20: Steilküsten-Tour (1)
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Foto 21: Steilküsten-Tour (2)
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Killarney

Was auch immer Sie in Irland tun – wenn Sie den Nationalpark Killarney auslassen, dann waren Sie nicht in Irland. Die Stadt Killarney erreicht man von Dingle in einer kürzeren Tagestour. Nehmen Sie dort ebenfalls zwei, drei Tage Zeit und erkunden Sie den Nationalpark. Natürlich sind die Radtouren durch den Nationalpark nicht trivial. Längere Anstiege und etwas mehr Verkehr auf den Straßen lassen sich nicht vermeiden.
Wenn Sie Killarney südlich auf der N71 verlassen, können Sie das romantische Meeting of the Waters besuchen. Ja, ich weiß, am Abzweig steht ein Sperrschild für Autos und für Fahrräder. Das ist aber nicht ganz ernst gemeint. Warum sonst steht wohl steht am Dinis Cottage ein Fahrradständer? – Fahren Sie vorsichtig und lassen Sie den Wanderern den Vorrang, dann wird niemand etwas sagen.
Zurück auf der N71 fahren Sie an der Derrycunihy Church vorbei nach Ladies View. Den Blick auf den Upper Lake vergessen Sie so schnell nicht. Sie müssen dann leider die Straße wieder zurück fahren. Es geht zwar auch anders, über den Gap of Dunloe, aber daraus sollten Sie eine separate Tour machen.

Foto 22: Meeting of the Waters
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Foto 23: Ausblick Ladies View
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Über den Gap of Dunloe führt ebenfalls eine Passstraße, für mich die schönste Bergfahrt der gesamten Tour.
Los geht’s, wenn Sie die Brücke über den River Laune hinter sich gelassen haben. Zunächst werden Sie sich verblüfft umschauen, denn viele Wanderer und Droschken wimmeln auf der Straße! Man kann sich hier eine Droschke mieten und wird damit zur Passhöhe gefahren und wieder zurück, oder es geht zu Fuß abwärts, wovon ich aber abrate. Passen Sie jedenfalls auf, wenn Sie per Rad bergauf fahren. Die Droschkenkutscher sind wie irische Schafe. Die meinen auch, immer Vorfahrt zu haben und sind sich außerdem ganz sicher, dass die Typen mit dem Rad schon Platz machen werden.
Lassen Sie sich dadurch nicht von dieser Tour abhalten. Es geht teils wirklich steil aufwärts, aber die Ausblicke von der Straße lohnen jede Anstrengung. Schauen Sie sich einfach die Fotos an, die sprechen für sich.

Foto 24: Gap of Dunloe (1)
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Foto 25: Gap of Dunloe (2)
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Foto 26: Gap of Dunloe (3)
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Hinter der Passhöhe erwartet Sie das Black River Valley. Nach einer flotten Abfahrt bleiben Sie eine Weile im Tal und kurven nur leicht ansteigend durch das Tal. Unterwegs begegnet Ihnen dieses Cottage. Ich jedenfalls wollte es ganz spontan kaufen. Geht es noch schöner, ruhiger, romantischer?

Foto 27: Cottage im Black River Valley
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Sie müssen nach etwa 15 km entscheiden, ob Sie dem Black River Valley weiter nach Südwesten folgen, was ganz sicher eine sehr schöne Tour wäre oder ob Sie – wie ich – nach Kenmare fahren. Das genügte nämlich für diese relativ kurze, aber recht schwere Tour, denn so haben Sie Zeit, die Ausblicke in Ruhe zu genießen. Deren Eindrücke werden Sie noch lange in Erinnerung behalten.

Foto 28: Im Black River Valley
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Verlässt man den Nationalpark Richtung Osten, werden die Touren ereignisloser. Eine tolle Überraschung gab es aber noch. Die letzte Nacht in Irland verbrachte ich in Waterford. Und dahin fährt man natürlich auf dem Waterford Greenway, einem Bahnradweg, auf dem man immerhin 46 km vorankommt. Etwa 20 km vor Waterford erreichen Sie einen Bahnhof. Von da an führt auch die Trasse der Suir Valley Railway nach Waterford. Sie können sich ja denken, dass ich von Berufs wegen ganz aus dem Häuschen war, denn die Bahn fährt da tatsächlich noch. Leider blieb mir keine Zeit für eine Bahnfahrt, aber vielleicht beim nächsten Mal.

Foto 29: Waterford Greenway
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Foto 30: Waterford Greenway Bahnhof
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Foto 31: Waterford Greenway mit Bahntrasse
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Schließlich ging es nach Rosslare, um eine Fähre ins walisische Fishguard zu nehmen. Man braucht dafür drei Tage. Von dort über Exeter entlang der englischen Südküste nach Dover, mit der Fähre nach Dünkirchen und über Belgien zurück nach Deutschland. Auch diese beiden Tour-Etappen hatte „ihre Momente“, die aber doch recht dünn gesät waren.

Insgesamt habe ich in 33 Etappen gut 3.800 Kilometer zurückgelegt, knapp 27.000 Höhenmeter waren dabei zu bewältigen.

Über die besten Abschnitte meiner Radreise habe ich geschrieben und hoffe, Ihre Neugier hiermit geweckt zu haben.




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Praktische Tipps für eine Radreise durch Großbritannien und Irland


Frühstück

Das englische und irische Frühstück ist ideal für Radtouren. Reichhaltig, kräftig, wenn auch etwas ungewohnt. Lassen Sie es sich schmecken!

Foto 32: Irisches Frühstück
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Zimmer

Zimmer gibt es eigentlich überall. Meistens sind es privat geführte Bed & Breakfast-Unterkünfte. Die Preise liegen um 60 Euro in Irland und bei 60 bis 70 Pfund in Großbritannien. Als sehr hilfreich hat sich www.booking.com erwiesen. Sie können aber auch telefonisch reservieren, da ist die Auswahl noch viel größer. Eine vorherige Reservierung empfehle ich aber auf jeden Fall.

Abendessen

Bed & Breakfast ist wörtlich gemeint, es gibt kein Abendessen. Nimmt man ein Zimmer, das etwas abgelegen ist, müssen Sie mangels Restaurants für Ihr Abendessen selbst sorgen. Ich habe oft im letzten Supermarkt vor dem Ziel eingekauft. Von den Quartierswirten bekommen Sie Teller, Besteck und Gläser, so dass einem guten Abendessen nichts im Wege steht. Achten Sie nur darauf, wo die letzte Einkaufsmöglichkeit vor dem Ziel liegt. Das können schon mal 30 km sein.

Karten

Ich bin mit meinem GPS-Gerät unterwegs, einem Garmin Oregon 700. Mit einer guten Karte führt Sie das Gerät überall hin. Für die abendliche Planung der nächsten Tour habe ich MAPS.ME auf dem Handy genutzt. MAPS.ME hat den Vorteil, dass Sie die Karten offline zur Verfügung haben, die freilich zuvor heruntergeladen werden müssen.
Es gehört aber immer eine Papierkarte mit in die Tasche. Ich bevorzuge Karten von Freytag & Berndt.

Midges

Midges oder Midgies heißen die Stechmücken in Schottland und Irland. Im Internet finden Sie Horror-Geschichten über diese kleinen Plagegeister. Mich nervten Sie aber nur an zwei Abenden in Schottland, dafür aber richtig. Außer mir selbst ständig Genickschläge und Backpfeifen zu geben, fand ich kein Mittel gegen die Biester. Zigarettenrauch verscheucht sie aber für ein paar Minuten, aber man kann ja nicht ständig rauchen…

Brexit

Wenn Einheimische auf den Brexit zu sprechen kommen, machen Sie sich auf etwas gefasst. Die Leute diskutieren das Thema sehr emotional und heftig, wenn auch nicht aggressiv. Wenn Sie sich als Deutscher zu erkennen geben, werden Sie automatisch dem Lager der Brexit-Gegner zugeordnet, was zumindest für mich schon so richtig war. Trotzdem hielt ich mich zurück. Ich hoffe, dass die Spaltung der Gesellschaft in Großbritannien und auch in Irland überwunden werden kann.

Gastfreundschaft

Egal wohin Sie kommen – Sie treffen stets gastfreundliche und offene Menschen, die einen respekt­vollen und selbstbewussten Umgang miteinander pflegen. Ich werde mich noch lange an so manche Diskussion in den Pubs erinnern…

GPS-Tracks erhältlich

Wenn Sie sich für diese Radreise interessieren, können gerne Sie auf Anfrage die von mir erstellten GPS-Tracks zu den Tour-Etappen erhalten. Bitte sprechen Sie mich an!


Thomas Gelling
im Oktober 2019


Foto 33: Thomas Gelling
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Radreise durch Schottland und Irland – Foto 32: Irisches FrühstückRadreise durch Schottland und Irland – Foto 33: Thomas Gelling

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